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Erfahrungsberichte

Focus Nr. 10, August 2013


Informationen von Égalité Handicap Svizzera italiana

 

Nationalparkprojekt des Locarnese

Der Park ist für alle da!

 

Vom 22. bis 26. Juli 2013 veranstalteten die Organisatoren des Nationalparkprojekts des Locarnese (PNL) eine Neuauflage des „Trekking dei fiori“. Alle Teilnehmer fanden sich dazu in Brissago ein. Dort begann die fünftägige Wanderung. Die Strecke führte über das Centovalli und Onsernonetal bis nach Bosco Gurin.

Wie wir in der Ausgabe Nr 7 des FOCUS von August 2012 berichteten, setzt sich das PNL aktiv für maximale Barrierefreiheit im Parkgebiet ein. Die Wiederaufnahme dieser wunderschönen Wanderstrecke war daher eine Gelegenheit, die guten Vorsätze gleich umzusetzen.

Marco Lavizzari, von Beginn an ein Unterstützer des Projekts „Der Park ist für alle da: umfassende Barrierefreiheit für Blinde“, schloss sich der Reisegruppe ab Comologno im Onsernonetal an. Begleitet wurde er dabei von dem Gemeindepräsidenten von Isorno, Roberto Carazzetti. Dank der Unterstützung auch von Giovanni Kappenberger, der seine Erfahrungen mit den Plusport-Aktivitäten ins Team einbringen konnte, gelang es allen Teilnehmenden, darunter auch der Wissenschaftsverantwortliche des PNL, Pippo Gianoni, neue Kenntnisse zur Organisation eines solchen Trekkings zu erwerben. Es gab unter anderem Aufschluss darüber, in welcher Weise die Belastungsgrenzen, aber auch die Ressourcen von behinderten Menschen berücksichtigt werden müssen.

Einen grossen Beitrag leistete auch Thomas Lucas, Wanderleiter OTM und zukünftiger Behindertensportleiter für Wanderungen Plusport, der Marco auf den Tourabschnitten Spruga bis Capanna Arena sowie Porcarescio bis Bosco Gurin immer zur Seite stand. Am Zielpunkt wurde die Reisegruppe von Vertretern der Gemeinde sowie dem Staatsrat Michele Barra empfangen. Barra zeigte sich ausgesprochen berührt von den Trekking-Erlebnissen von Marco Lavizzari. Der Erfahrungsbericht ist nachfolgend unter dem Titel „Wandern auf Höhenpfaden, Nationalparkprojekt des Locarnese“ publiziert.

 

„Wandern auf Höhenpfaden“, Nationalparkprojekt des Locarnese“

von Marco Lavizzari

 

Ich heisse Marco Lavizzari, bin 58 Jahre alt, verheiratet, habe sechs Kinder und sechs Enkel.

Wir sind eine glückliche Familie und führen ein fröhliches und friedliches Leben. Doch es gab eine Zeit, da wurde das Glück auf eine harte Probe gestellt. Im Jahr 1994 begannen bei mir die ersten Augenprobleme. Nach zahlreichen Untersuchungen und mehreren Operationen verlor ich 1995 mein Sehvermögen. Diese Erfahrung hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass es im Leben – ebenso wie im Sport – keine Barrieren geben darf. Ich wollte zeigen, dass auch Personen mit einem Handicap bei guter Vorausplanung Wandertouren unternehmen können. Ausflüge ins Gebirge sind als Sport wunderbar und bringen viel Entspannung. Doch in den Bergen lauern auch gefährliche Fallen, die es gilt vorherzusehen und einzuschätzen. Während des „Trekking dei fiori“ waren wir immer von Natur und ihrer herrlichen Ruhe umgeben. Es heisst ja, man würde in der Stille alles vergessen können. Das ist wirklich wahr. Es gelingt, die Probleme zu Hause zu lassen und draussen, inmitten von Tannen, Buchen, Lärchen und Alpwiesen, nur noch die positiven Gedanken zuzulassen. Die Geräusche um mich herum, ein Fluss, ein Wasserfall, oder der typische Duft von Blumen etc. lassen mich glücklich an die Zeit zurück denken, als ich die Dinge noch sehen konnte. Das Wandern stimmt froh. Atemberaubende Panoramen eröffnen sich, Berghänge voller Blumen. Um uns herum hören wir nur das Geräusch unserer Schritte und unseren Atem. Wir geniessen die Ruhe und erfreuen uns an dem schönen Ausblick. Die Freude, inmitten der Natur zu sein, ist unwiderstehlich. Sportliche Betätigung bedeutet natürlich auch Kraftanstrengung. Doch die Hochstimmung, wenn man sein Ziel erreicht hat, entschädigt einen doppelt und dreifach. Das Geheimnis des Erfolgs ist der Enthusiasmus. Zum Enthusiasmus kommt noch die Freundschaft unter den Teilnehmern, die so weit geht, dass zwischen dem blinden Wanderer und seinem Begleiter ein unzertrennbarer Verbund entsteht – nicht nur im technischen Sinne, sondern auch im menschlichen. Führperson und Blinder lernen sich genau kennen, zwischen den beiden entwickelt sich ein enges Vertrauens- und Freundschaftsverhältnis. Indem der Begleiter dem Blinden die Natur der Umgebung beschreibt, entdeckt auch er für sich selbst plötzlich Werte, die ihm anders gar nicht aufgefallen wären. Plötzlich erkennt man viel besser, wer alles mit oder um einen herum lebt. Zwar hat ein blinder Mensch einen geschärften Spür- oder Hör-Sinn, dennoch ist er im Sport vollkommen auf seinen Schutzengel angewiesen, der ihm den richtigen Weg weist. Diese enge Abhängigkeit löst bei beiden Personen eine Reihe von Gefühlen aus. Zwischen dem Blinden und seiner Führperson entwickelt sich auf diese Weise eine Freundschaft, die weit mehr ist als eine rein funktionale Verbindung zwischen zwei Wanderpartnern. Zwischen Wanderleiter und Blindem entsteht ein quasi grenzenloses Vertrauens.   

 

Es war wunderbar! Durch die Augen meines Wanderbegleiters konnte ich all die grossartigen Naturspektakel erfassen und geniessen, die die Wanderstrecke durch den Nationalpark des Locarnese so bietet. Ich danke allen Personen, die mich während des Trekking dei fiori begleitet haben. Besonders danke ich meinen Wanderführern: Nicht einmal auf den schwersten Abschnitten der Strecke haben sie auch nur ein winziges Anzeichen von Stress oder Besorgnis in ihren Stimmen und Gesten gezeigt. Meine Freude ist schwer zu beschreiben: Ist es der Sieg des Menschen über die Natur oder der Triumph des Menschen über die Krankheit? Eigentlich ist es nichts davon. Es ist die Freude darüber, wahre Freunde zu besitzen, die mich ohne zu zögern und ohne Einschränkungen bei der Wanderung „dei fiori“ begleitet haben.

Ich möchte meinen Text schliessen, indem ich den Lesern folgenden Gedanken schenke:

„Zünde besser eine Kerze an, als die Dunkelheit zu verfluchen“. Warum sage ich Ihnen das? Weil wir alle dazu neigen, bei Schwierigkeiten, seien es Probleme oder  Krankheiten, in unserem Kummer zu versinken, aufzugeben. Stattdessen sollten wir aber immer einen Lichtstrahl leuchten lassen, denn wo Leben ist, ist auch Hoffnung. Auch wenn man sein Augenlicht verliert, lebt man weiter: man ändert seinen Lebensstil, organisiert sich neu, schärft seine anderen Sinne. Das Leben ist trotzdem schön.

 

(Das Projekt wird unterstützt vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen)