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Kuriosität

Die JOËLETTE kommt auch ins Tessin


Eine Wandermöglichkeit für alle

von Claudia Banfi

 

Die Joëlette ist ein einrädriger, tragbarer Rollstuhl, der es Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit ermöglicht, Wanderungen zu unternehmen. Er eignet sich für alle Menschen mit Behinderungen: für Erwachsene, Kinder und ältere Menschen, auch mit schwerwiegenden Problemen (Myopathie, multiple Sklerose, Tetraplegie). Auch für Personen, die selbst wandern können, jedoch immer mal Ruhepausen benötigen, ist der Geländerollstuhl ein passendes Hilfsmittel. Drei Begleiter sind notwendig – dann macht die Joëlette Ausflugsziele und Erlebnisse möglich, die bisher für viele Menschen unerreichbar waren.

 

Das Vorbild stammt aus Afrika: Die Missionare „Weisse Väter“ begannen auf Veranlassung durch Kardinal Lavigerie (1825-1892), Erzbischof von Algerien, im Jahr 1868 mit dem Einsatz einer einrädrigen Trage.

Im Jahr 1987 kam der französische Alpinist Joël Claudel auf die Idee, ein Hilfsmittel zu kreieren, mit dem auch gehbehinderte Personen Zugang zu Bergwanderwegen haben. Anlass dazu gab ihm sein Neffe, der unter Myopathie litt. Der neue Rollstuhl wurde nach seinem Erfinder benannt. Die Joëlette kam zunächst in den französischen und teils auch italienischen Alpen zum Einsatz. Der Verein Handicap Rando führte das Vehikel schliesslich in der französischen Schweiz ein.

Handicap Rando ist eine Interessensgruppe, die aus dem Verband SWL (Schweizer Wanderleiter) hervorging. Der SWL erhielt eine Spende seitens der Stiftung Juchum zum Kauf der ersten elf Joëlettes. Der Verein Handicap Rando wurde formal im Rahmen der Generalversammlung am 6. Dezember 2010 in Vevey gegründet.

 

Claudia Banfi, Fabio Bella und Thomas Lucas sind Wanderleiter der italienischen Schweiz (AESI) und Mitglieder bei Handicap Rando und SWL. Sie absolvierten einen Kurs Plusport mit Diplom als Behindertensportleiter für Wanderungen. In diesem Zusammenhang entstand das Projekt, die Joëlette im Tessin einzuführen. Ermöglicht wurde die Umsetzung durch das Projekt „Ein Park für alle“ des Nationalparkkandidaten Locarnese, unterstützt  durch das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB, Égalité Handicap und der Federazione ticinese integrazione andicap.

 

Die ersten drei Tage mit der Joëlette wurden durch die Zusammenarbeit mit dem Istituto Miralago in Brissago ermöglicht. Die Einrichtung glaubte an das Projekt, übernahm die Finanzierung – und gab ihren Bewohnern somit die Möglichkeit für eine ganz neue Erfahrung. Es war gar nicht so einfach, freiwillige Helfer zu finden. Angeheuert wurden diese aus den Reihen von Freunden, Verwandten, Bekannten, pro Infirmis, Cas Locarno – Bellinzona – Tessin, ATGABBES, über Zeitungsartikel und zufällige Begegnungen während der Ortsbegehungen. Der vierte Aktionstag ist der Bank Crédit Agricole zu verdanken. Das Finanzinstitut wählte das Projekt bei der Suche nach ehrenamtlichen Tätigkeiten für seine Angestellten aus.

Claudia, Fabio und Thomas arbeiten immer eng zusammen. Die Organisation solcher Ausflüge ist sehr aufwändig. Bei Ausfahrten mit drei Joëlettes reicht es aber aus, wenn einer von ihnen die Tour begleitet.

 

Für die Planung braucht es vor allem Personen, die in dem geländegängigen Rollstuhl eine Möglichkeit für tolle Erlebnisse und viel Spass sehen. Es bietet sich die Chance, neue Leute kennenzulernen, gemeinsam schöne Momente zu teilen und Landschaften zu bestaunen, die normalerweise nicht für alle zugänglich sind.

 

Voraussetzung ist, dass es geeignete Routen gibt, die gut begehbar sind und gleichzeitig kulturell sowie landschaftlich Spannendes zu bieten haben. Die Strecken sollten nur geringe Höhendifferenzen aufweisen und über Schotterstrassen oder gut ausgebaute Wanderwege verlaufen, zudem Zugang zu Picknickmöglichkeiten und Toiletten bieten. Die Touren werden mithilfe einer Joëlette genau ausgekundschaftet. Die Routen können „leicht“, „mittel“ oder „schwer“ ausfallen, auf Grundversorgung, spezielle Bedürfnisse und Wünsche wird Rücksicht genommen. Wer die Wanderzeit kalkulieren will, muss davon ausgehen, dass eine Tour mindestens doppelt so lange dauert wie im Normalfall.

 

Für jede Joëlette werden mindestens drei Begleiter benötigt. Die freiwilligen Helfer erhalten vor dem Ausflug eine zweistündige Einführung in das Gefährt, um es sicher dirigieren zu können. Die Person, die später auf der Joëlette Platz nimmt, braucht da noch nicht dabei zu sein. Im Rahmen dieser Einführung wird der Rollstuhl aufgebaut, es werden Funktionen erklärt, Aufgaben verteilt und Fahrtests absolviert. Die Helfer trainieren ihren Einsatz immer auch in vertauschten Rollen, um sicherzustellen, dass alle mit dem Fahrzeug rundum vertraut sind und auch die Aufgaben der Kollegen kennen. Die Person, die dem Rollstuhl vorwegläuft, ist dafür verantwortlich, den Weg zu suchen. Wer dahinter läuft, gibt den Rhythmus vor und betätigt Bremsen und Motor. Der dritte Begleiter – sowie alle weiteren – hilft, an schwierigen Stellen das Fahrzeug anzuheben, steht im Kontakt zur Person auf dem Rad und löst die anderen Helfer ab. Die Begleiter müssen keine besonderen Fähigkeiten vorweisen. Es liegt in der Verantwortung des ausgebildeten Leiters, bei Problemen einzugreifen und eventuell die Position oder die Geschwindigkeit zu korrigieren. Die übrigen Helfer müssen einfach physisch in guter Form sein, stabil auf den Beinen stehen und Teamgeist haben. Jede Joëlette im Tessin – allein schon wegen der anspruchsvollen Morphologie der Landschaft – verfügt über einen Motor, der bei Bedarf angeworfen werden kann. Die Begleiter erhalten alle einen Ausweis zum Führen einer Joëlette. Auf den ersten Blick wirkt der Rollstuhl etwas sperrig, aber er kann komplett auseinandergenommen werden und findet in jedem Auto Platz.

 

Der Nutzer der Joëlette – oder ein Verwandter, Vormund oder Institut – muss vor dem Ausflug einen detaillierten Anmeldebogen ausfüllen. Die Organisatoren, die die Daten streng vertraulich behandeln, sind auf ausführliche Informationen angewiesen, damit der Tag auf alle Beteiligten genau abgestimmt werden kann. Unter Umständen ist es notwendig, dass bei der Wanderung ein enger Vertrauter des Behinderten – ein Verwandter, Freund oder Erzieher – dabei ist, der die ganz persönlichen Bedürfnisse kennt und helfen oder vermitteln kann.

 

So ein Ausflug ist ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten, mit dem wichtigsten Ziel dass alle ihren Spass haben. Es geht darum, in Ruhe einen schönen Tag zu verbringen, Landschaft und Emotionen an der Seite von Personen zu geniessen, die alleine diese Erfahrungen nicht hätten machen können. Alle Beteiligten erweitern dadurch ihre sozialen Kontakte und haben die Gelegenheit, miteinander zu kommunizieren, sich auszutauschen, sich auszudrücken und Erlebnisse zu teilen. Ein solches Abenteuer fördert die Solidarität, trainiert die sozialen Fähigkeiten im Austausch mit den Mitmenschen und hilft auch, sich selbst, sein Umfeld und die Umgebung besser kennenzulernen. Durch die vielen verschiedenen Situationen, die sich auf so einem Ausflug ergeben, ist jeder gezwungen, an seinem eigenen Temperament und seiner Persönlichkeit zu arbeiten. Man lernt, sich auf seine Mitstreiter zu verlassen und in Stresssituationen und Notfällen richtig zu reagieren. Auf so einer Wanderung kann es bei problematischen Streckenabschnitten oder im Umgang mit den anderen Personen immer mal zu Spannungen kommen. Das Erlebte bringt allen Teilnehmern neue Anregungen und Emotionen. Gemeinsam werden Strategien zum Meistern von schwierigen oder sogar gefährlichen Situationen festgelegt. Muskeln werden beansprucht, man absolviert Fitnesstraining im Freien. Gleichzeitig erweitern alle Teilnehmer ihre Kenntnisse über die Umgebung, die Umwelt, die ökologischen und biologischen Aspekte.

 

Es ist nicht zwingend notwendig, an einer geführten Wanderung teilzunehmen. Die Joëlette kann auch für individuelle Ausflüge gemietet werden. Die Begleiter müssen ebenfalls den Einführungskurs durchlaufen, um sicherzugehen, dass sie den Outdoor-Rollstuhl sicher durch die Landschaft bewegen können. Eine einmalige Einführung reicht aus. Die Teilnehmer erhalten anschliessend ein Zertifikat, das für die gesamte Schweiz gilt.

 

Claudia, Fabio und Thomas haben sich zum Ziel gesetzt, die Wandermöglichkeiten für behinderte Menschen im Kanton immer weiter zu verbessern und nehmen die entsprechenden Aktivitäten selbst in die Hand. Aus diesem Grund haben sie nicht nur den Verein geschaffen, sondern sie arbeiten gemeinsam mit Handicap Rando auch an einer Publikation zu Joëlette-Routen in der ganzen Schweiz.  Bisher konnten fünf geeignete Wanderstrecken im Locarnese, am Lukmanier und im Malcantone ausfindig gemacht werden. Aktuell werden Routen im Luganese, Mendrisiotto und Bellinzonese geprüft. Jeder Streckenverlauf soll auf einer Karte eingezeichnet werden mit wichtigen Informationen zu Rastplätzen, Restaurants und Toiletten. Die Veröffentlichung der verschiedenen Routen erfolgt durch Handicap Rando. Beim Mieten einer Joëlette im Tessin für individuelle Ausflüge gibt es die Informationen zu den Wegen im Kanton dazu. Die bisher ausgewählten Strecken bieten verschiedene Schwierigkeitsgrade.  Die passende Tour hängt von den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der zu begleitenden Person ab. Es gibt Vorschläge zu Wanderungen auf ebenen Strecken. Denn bei schwerwiegenderen Behinderungen sollten Höhendifferenzen und steinige Wanderwege möglichst vermieden werden. Doch auch anspruchsvollere Bergwanderwege können ausgewählt werden und versprechen in der Höhe ein tolles Alpenpanorama.

 

Derzeit ist AESI auf der Suche nach Unterstützung für das Projekt. Benötigt werden sowohl Sponsoren, die Wandertage für alle organisieren, als auch ehrenamtliche Helfer, um sie bei Bedarf zu kontaktieren.

Der Preis für einen Tag hängt von den gewählten Optionen ab:

Ein klassischer Tag, inklusive Planung, Begleitung durch einen qualifizierten Wanderleiter, Einführungskurs, Miete für drei Joëlettes und Mittagessen für alle Teilnehmer kostet rund 800 Franken.

Eine Joëlette zu mieten, kostet zwischen 50 und 75 Franken (mit oder ohne Motor). Dazu kommt eventuell der Pauschalpreis von 200 Franken für den Einführungskurs vor Ort oder 500 Franken für einen Einführungskurs zu Hause.


Kontakt

 

Für weitere Informationen steht Ihnen das Team von AESI (Accompagnatori di Escursionismo della Svizzera Italiana) gerne zur Verfügung:

Claudia Banfi: Accompagnatrice d’escursionismo, educatrice specializzata all’ Istituto Miralago di Brissago, monitrice di escursionismo Plusport

Tel. 079 444 21 65, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Fabio Bella: Presidente AESI, accompagnatore d’escursionismo con attestato

federale, presidente OREPAR – Organo Responsabile Esami Federali Escursionismo, membro della commissione turismo Parco Nazionale del Locarnese, monitore di escursionismo Plusport

Tel. 079 744 85 79, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Thomas Lucas: Vicepresidente AESI, accompagnatore d’escursionismo, monitore di escursionismo Plusport

Tel. 079 822 56 34, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.